|
Ursachen
Spina bifida bedeutet eine komplexe Fehlbildung des Gehirnes und des
Nervensystems. Die letztliche Ursache dafür ist noch nicht bekannt
und wird heute in der Fachwelt intensiv diskutiert. Allerdings wurde
festgestellt, dass Kinder mit Spina bifida in solchen Familien, in
denen bereits jemand von Spina bifida und / oder Hydrocephalus
betroffen war, in einer erhöhten Häufigkeit gegenüber der übrigen
Bevölkerung geboren werden. Es ist aber auch bekannt, dass durch
eine ausreichende Versorgung der Schwangeren mit Folsäure das
Risiko, ein Kind mit einer Spina bifida zu gebären, verringerbar
ist. Die Folsäure muss vor Beginn der Schwangerschaft eingenommen
werden, da diese Fehlentwicklung des Nervensystems bereits in den
ersten Schwangerschaftswochen stattfindet. Das Nervensystem bildet
sich aus der äußeren Haut des Embryos und senkt sich normalerweise
vollständig in die Tiefe ab. Eine unvollständige Versenkung führt
dazu, dass ein Teil des Nervensystems an der Körperoberfläche
verbleibt: der oben erwähnte „offene Rücken". In dieser Region liegt
das Rückenmark nicht in den Wirbelkörpern der Wirbelsäule in einem
schützenden Kanal, sondern die Wirbel sind in dieser Region
gespalten (Spina bifida). Das nicht in den Körper eingewanderte und
an der Oberfläche verbliebene Nervengewebe ist stark
funktionsgestört.

Bei
Kindern mit Spina bifida können zusätzliche Fehlbildungen bestehen.
Sie können einen Hydrocephalus haben (siehe oben) und bedürfen in
den ersten Lebenstagen einer Ventilversorgung. Die Verbindungsstelle
zwischen Gehirn und Rückenmark im Nacken kann stark verengt sein
(das sogenannte Arnold-Chiari-Syndrom). Bei ausgeprägten Formen sind
diese Kinder bedroht, da die Verengung auf das in der Nähe gelegene
Atemzentrum drücken kann. Im oberen Bereich des Rückenmarkes können
Höhlenbildungen vorhanden sein (Syringomyelie).
Diese Komplexität der Fehlbildung führt zu entsprechend vielfältigen
Funktionsstörungen. Im Bereich der Spina bifida und unterhalb treten
die Nerven nicht mehr regulär aus dem Rückenmark aus. Die Folge
davon sind Lähmungen in der zu versorgenden Körperregionen.
Empfindungen wie Berührungen, Wärme, Schmerzen etc. werden in den
gelähmten Segmenten nicht mehr zum Gehirn fortgeleitet. Umgekehrt
kann das Gehirn die betroffenen Regionen nicht mehr steuern. Die
Muskeln sind - meist schlaff - gelähmt. Fast immer sind die
Funktionen des Darmes und der Harnblase gestört.
Neugeborene mit Spina bifida müssen unmittelbar nach Geburt operiert
werden. Zu allererst ist der offene Rücken wegen der damit
verbundenen Infektionsgefahr zu erschließen. Meist braucht das Kind
dann gleich auch ein Ventil.
Die
Ursachen für einen Hydrocephalus sind vielfältig: Blutungen oder
eitrige Entzündungen, Tumore, Fehlbildungen (z.B. Spina bifida)
u.a.m. Deswegen wird die gesundheitliche Verfassung des Kindes nicht
nur von dem Hydrocephalus selbst, sondern eben auch von der Ursache
des Hydrocephalus bestimmt. Beispielsweise kann eine schwierige
Geburt mit Sauerstoffmangel und nachfolgender Hirnblutung zu einem
Hydrocephalus geführt haben. Es ist dann das Ausmaß des
Sauerstoffmangels und das durch die Blutung beeinträchtigte
Gehirngewebe möglicherweise für die Entwicklungsstörungen dann von
grösserer Bedeutung als der Hydrocephalus selbst.

Das aufgestaute Hirnwasser drückt auf das umgebende Hirngewebe. Das
Kind zeigt Auffälligkeiten: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen,
Wesensänderungen, Verhaltensstörungen u.a.m. Beim Säugling kann sich
die Fontanelle vorwölben, er kann die Augen nicht mehr nach oben
heben (Sonnenuntergangsphänomen). Ein lang anhaltender Druck auf das
Gehirn ist für seine Entwicklung ungünstig.
Es
ist rasche Abhilfe erforderlich; der Druck im Gehirn muss auf das
normale Mass zurückgeführt werden. Dazu wird operativ ein Abfluss
für den überschüssigen Liquor geschaffen. Es geschieht mit Hilfe
eines Schlauch-Ventil-Systems (Shunt) aus Kunststoff. Dieser Shunt
zieht von der Gehirnkammer unter der Haut in die Bauchhöhle. Dort
wird der abgeleitete Liquor hingeleitet und von der Bauchhaut (Peritoneum)
aufgenommen (resorbiert).
nach
oben
|